100, 106 und 107

Drei Jubelgeburtstage in Innsbruck gefeiert

Josefine Psula (r.) ist mit 107 Jahren die älteste Bürgerin Innsbrucks. Bürgermeister Johannes Anzengruber (l.) tauschte sich zu ihrem Geburtstag mit ihr aus. © Stadt Innsbruck/F. Bär

Dreimal dreistellig: Ludwig Ascher wurde 106, Josefine Psula 107 und Maria-Luise-Regensburger 100 Jahre alt. Drei berührende Begegnungen mit außergewöhnlichen Innsbrucker Geburtstagskindern.

Josefine Psula ist die älteste Bürgerin Innsbrucks, Ludwig Ascher der älteste Bürger. Neu im Kreis der Über-100-Jährigen ist Maria-Luise Regensburger. Alle drei eint die Begeisterung für Musik. Bürgermeister Johannes Anzengruber gratulierte ihnen persönlich, schmökerte in besonderen Büchern, tanzte Walzer – und lauschte 313 kombinierten Jahren Lebenserfahrung.

106 musikalische Jahre

Man kennt sich schon: „Ich freue mich, wieder hier bei Ihnen sein zu dürfen“, begrüßte Bürgermeister Johannes Anzengruber den Jubilar Ludwig Ascher – zum mittlerweile 106. Geburtstag. Bereits in den vergangenen Jahren tauschten sich die beiden aus, die Lebensgeschichte des gebürtigen Brixleggers beeindruckt den Bürgermeister bis heute: Am 6. Oktober 1920 geboren, musste Ludwig Ascher die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs noch selbst miterleben – bis er in Russland schwer verwundet wurde. Nach dem Krieg arbeitete er für die Gemeinde Brixlegg, später übersiedelte er mit seiner Familie nach Innsbruck, wo er eine Stelle im Finanzamt antrat.

Stark geprägt ist die Lebensgeschichte von Ludwig Ascher durch die Musik: „15 Instrumente habe ich gelernt“, erklärt er – von der Klarinette über Klavier bis zur Ziehharmonika eine breite Auswahl. Als Kapellmeister baute er die Marktmusikkapelle Brixlegg nach dem Krieg wieder auf, unter seiner Leitung wuchs die Mitgliedszahl auf mehr als 50 Personen. 2005 wurde ihm für seine Verdienste das Kulturehrenzeichen der Gemeinde Brixlegg verliehen.

Neben seiner Tätigkeit für das Finanzamt in Innsbruck bildete sich Ludwig Ascher selbständig weiter: Mit Mitte 40 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften, das er mit 50 Jahren mit einem Doktortitel abschloss. Neben all dem kam auch das Reisen kamen nicht zu kurz – etwa nach Pisa: „Auf dem schiefen Turm war ich schon oben“, erklärt Ludwig Ascher, dann ging es weiter nach Rom, wo er noch Papst Pius XII. traf: „Damit der auch einmal a Freude hat“, wie der 106-Jährige grinsend beim gemeinsamen Beisammensein im Wohnheim Reichenau betont.

Journalistisch war Ludwig Ascher ebenfalls tätig und verfasste viele Zeitungsartikel für die „Tiroler Nachrichten“ – sowie eine zweibändige Gemeindechronik von Brixlegg. Ein drittes Buch folgte vor wenigen Jahren: „Melodien des Lebens: Erlebnisse eines 104-jährigen Tiroler Musikers in Krieg und Frieden“ – Ludwig Aschers Memoiren, in denen er viele bewegende wie amüsante Geschichten aus seinem Leben festhielt und gemeinsam mit dem Bürgermeister schmökerte.

„Herr Dr. Ascher, alles Gute zum Geburtstag! Sie zeigen, wie wichtig es ist, seine Leidenschaften nie zu verlieren – mit einem unglaublich bewegten Leben, in dem Sie stets ihre eigene Melodie vorgegeben haben. Ob als Musiker, als Beamter, als Jurist oder nun als ältester Innsbrucker: Sie sind ein außergewöhnliches Vorbild für uns alle“, betont Bürgermeister Johannes Anzengruber zum Geburtstag des ältesten Innsbruckers.

Lebensfroh mit 107

Jubelgeburtstag im Wohnheim Saggen: Josefine „Peppi“ Psula wurde groß gefeiert. Mit 107 Jahren ist sie die älteste Innsbruckerin. Geboren am 13. Oktober 1919 im Mölltal (Kärnten), machte sie als junge Frau eine Ausbildung in der Gastronomie. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte sie nach Innsbruck. Hier lernte sie ihren Mann kennen, der in der Versicherungsbranche und als Automobilverkäufer tätig war. Josefine Psula selbst arbeitete lange Zeit im Restaurant „Österreichischer Hof“ in Wilten.

In ihrer Wohnung im Pradler Saggen zogen sie ihre Tochter gemeinsam groß, heute kann sich Frau Psula an zahlreichen Enkeln, Urenkeln und sogar Ururenkeln erfreuen. Bis zu ihrem 97. Lebensjahr wohnte sie noch selbständig in ihrer Wohnung.

Die Gastronomie sollte sie ihr Leben lang weiterbegleiten: Mit ihrem Ehemann pachtete sie viele Jahre lang die Stöcklenalm im Stubaital, wo sie zahlreiche Gäste gemeinsam bewirteten. Ihre Erfahrung als Wirtin merkt man ihr heute noch an: Mit viel Freude und Elan empfing sie Bürgermeister Johannes Anzengruber im Café des Wohnheims Saggen, wo sie heute lebt und auch ihren Geburtstag gemeinsam mit Familienmitgliedern, Freund:innen und Wegbegleiter:innen feierte – und einige Anekdoten mit dem Bürgermeister austauschte, der selbst auf Erfahrungen als Almpächter zurückblicken kann.

Selbstverständlich durfte auch die Musik nicht fehlen: Mit viel Gesang, Trompete, Gitarre und Ziehharmonika wurde der 107. Geburtstag von Josefine Psula stimmungsvoll musikalisch begleitet. Die Musikanten stimmten Klassiker wie „Viele Jahre sind vergangen“ an, zu denen die Jubilarin freudig mitsingte und -klatschte – bis sie schließlich den Bürgermeister selbst zum Tanz aufforderte.

Gemeinsam tanzten Bürgermeister Johannes Anzengruber und Josefine Psula einen Geburtstagswalzer zu mehreren Liedern – und bewiesen dabei, dass man auch als älteste Innsbruckerin noch das Tanzbein schwingen kann. „Ich habe so eine Freude! Vielen Dank“, freute sich die 107-jährige Jubilarin auf ihrer Jubelfeier.

„Liebe Frau Psula, Sie beeindrucken mich immer wieder! Es tut gut, mit ihnen zu sprechen und Ihre Lebensfreude in jedem Moment zu spüren. Von Ihnen kann man viel lernen, wie man auch im hohen Alter noch zufrieden, aktiv und froh sein kann. Es freut mich, dass es Ihnen hier so gut geht. Nächstes Jahr komme ich wieder vorbei – und freue mich schon darauf, mit Ihnen zu tanzen! Alles, alles Gute zum Geburtstag“, wünschte Bürgermeister Johannes Anzengruber, der Josefine Psula bereits mehrmals in den letzten Jahren besucht hatte. „Ja gerne – so Gott will!“, gab die rüstige Jubilarin augenzwinkernd zurück. Mit Kaffee und Kuchen, dem ein oder anderen Gläschen und vielen guten Geschichten wurde der Geburtstag von Innsbrucks ältester Bürgerin noch gebührend gefeiert.

„Die alte Dame“ wird 100

Maria-Luise Regensburger feierte am 16. Oktober 2026 ihren 100. Geburtstag. Bürgermeister Johannes Anzengruber besuchte sie in ihrer Wohnung in Innsbruck, wo sie heute noch selbständig lebt. Gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn feierte sie ihren „Hunderter“ – und ein langes Leben, das ebenfalls stark musikalisch geprägt war.

In Innsbruck schloss die gebürtige Oberländerin eine Ausbildung zur Pädagogin ab, anschließend studierte sie am Konservatorium Klavier und Sologesang als Hauptfächer. Zusätzlich ließ sie sich dort im Orgelspiel, Liedgesang und Schauspiel ausbilden – später sollte sie als Organistin viele Gottesdienste auf der Orgel begleiten. „Dabei habe ich alle Register gezogen“, erklärt Maria-Luise Regensburger schmunzelnd. Ihr musikalisches Talent hatte sie dabei von ihrer Großmutter geerbt, „die hat auch immer gern gesungen und gejodelt“, erinnert sich die Jubilarin.

Nach ihrem Studium arbeitete Maria-Luise Regensburger als Lehrerin in Nauders und Strengen, 1952 kam ihre Tochter zur Welt, die sie zum Großteil allein großzog. Ab 1957 arbeitete sie als Erzieherin in Innsbruck, später viele Jahre als Lehrerin an Innsbrucker Volks- und Hauptschulen. Die Musik blieb neben der Kunst und Philosophie auch privat ihre Leidenschaft, ihr Piano nimmt noch heute einen zentralen Platz im Wohnzimmer ein. Auch als Chorleiterin wirkte sie und zeigte sich für die musikalische Gestaltung zahlreicher Feste verantwortlich.

Von ihrer Liebe zur Musik zeugen auch zahlreiche Erinnerungsfotos in ihrer Wohnung: „Ich bin jedes Jahr zu den Festspielen nach Bayreuth gefahren. Dort habe ich über die Jahre alle großen Dirigenten und Musiker kennengelernt. Ich war den ganzen Sommer auf Festspielreisen, abends bin ich aber immer mit dem Zug heimgefahren“. Das dabei durch Verzicht auf ein Hotel gesparte Geld investierte sie gleich wieder: „Damit habe ich mir die nächste Konzertkarte gekauft – wirtschaftlich war ich schon immer!“, erklärt die frischgebackene Hundertjährige mit einem herzlichen Lachen. Auch die Berge bewanderte sie in ihrer Freizeit gerne, dabei lernte sie unter anderem Bischof Reinhold Stecher kennen – „ich bin nicht tiefreligiös, aber Dr. Stecher war ein wunderbarer Mensch, der sich immer viel Zeit genommen hat, wenn man ihm etwas erzählt hat“, etwa bei gemeinsamen Ausflügen mit Wandergruppen. Ein Bild des Bischofs hängt heute noch in ihrer Wohnung.

Über den bunten Blumenstrauß von Bürgermeister Johannes Anzengruber konnte sie sich sehr freuen. Im Gegenzug überreichte sie ihm ein besonderes Buch, in dem sie selbst im Mittelpunkt steht: „Die alte Dame – Eine zufällige Begegnung mit Maria-Luise Regensburger“ des Innsbrucker Fotografen Thomas Schrott. Zahlreiche kunstvolle Fotos, die der Fotograf über einen Zeitraum von drei Jahren von der Seniorin angefertigt hatte, sind in dem Bildband zu sehen – mit Texten von Maria-Luise Regensburger selbst, die sich darin mit ihrem eigenen Älterwerden auseinandersetzt: „Thomas Schrott hat mich damals zufällig im Hofgarten gesehen und mich angesprochen. Daraus ist das Buch entstanden. Mit echten, wahren Aufnahmen – nicht geschönt!“, erinnert sich die Jubilarin an ihre späte Erfahrung als Foto-Model, die mittlerweile auch wieder vier Jahre zurückliegt – „nun bin ich wirklich ‚Die alte Dame‘“, lacht Innsbrucks jüngste Hundertjährige.

Gemeinsam mit dem Bürgermeister schmökerte sie noch im Buch, stieß mit ihm auf ihren ersten dreistelligen Geburtstag an – und ließ es sich nicht nehmen, ihm ein Exemplar ihres Bildbands samt handgeschriebener Widmung als Geschenk mitzugeben.

„Es ist eine große Freude, Ihnen heute gratulieren zu dürfen. Danke für diesen tollen Austausch, das wunderschöne Buch und die persönliche Widmung. Alles Gute zum 100. Geburtstag, auch für die Zukunft nur das Beste! Es hat mich sehr gefreut, Sie zu treffen und mit Ihnen zu reden“, bedankte sich das Stadtoberhaupt zum Abschluss. „Mich auch! Vielen Dank für den schönen Besuch“, antwortete die 100-jährige Maria-Luise Regensburger – und freut sich bereits auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. FB




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