100 Jahre im Mai: Ein erfülltes Leben

Gertrud Egger feierte ihr Jubiläum im Kreis ihrer Großfamilie

Bürgermeister Johannes Anzengruber besuchte Gertrud Egger anlässlich ihres 100. Geburtstags im St. Vinzenzheim. © Stadt Innsbruck/A.Steinacker
Da staunte der Bürgermeister nicht schlecht, als Gertrud Egger ihn bereits vor dem St. Vinzenzheim im Rollstuhl freudig willkommen hieß.
„Ich freue mich sehr, dass ich heute an Ihrer Familienfeier zu Ehren Ihres 100. Geburtstags teilnehmen darf, Frau Egger“, begrüßte Bürgermeister Johannes Anzengruber das Geburtstagskind bei seinem Besuch am 8. Mai.

Und das sollte nur der Anfang eines bewegten Geburtstagswochenendes sein: Die Großfamilie war von Kanada über Vorarlberg bis Salzburg und Wien angereist. Drei Kinder, elf Enkel:innen und 25 Urenkel:innen im Alter von 1 bis 21 Jahren zählen die Nachkommen der Familie Egger. „Bestimmt schöpfen Sie viel von Ihrer Lebensfreude und Ihrem frohen Mut aus Ihrer großen Familie“, freute sich Bürgermeister Anzengruber: „In Ihren Erzählungen schildern Sie ja Ihre eigene Kindheit – das ist für uns alle ein äußerst interessanter Blick in die Innsbrucker Zeitgeschichte.“

100 Jahre in Innsbruck
Am 9. Mai 1926 erblickte Gertrud Egger in der Innsbrucker Klinik das Licht der Welt. Die Volksschule besuchte sie mitten in der Stadt, in der Gilmstraße. Die Familie lebte damals in der Höttinger Au, am Rösslsteig nahe der Unibrücke. Sie besuchte die Ferrarischule und arbeitete während dem Krieg in verschiedenen Firmen, unter anderem bei Köllensperger und in einer Schneiderei in St. Nikolaus. Nach dem Krieg war Frau Egger im städtischen Dienst – zunächst im Büro von Bürgermeister Franz Greiter und dann in der Stadtplanung – tätig.

Ihr zukünftiger Mann und sie verlobten sich mitten in den Kriegsjahren 1944 auf der Fronebenalm. Ihr Verlobter kam jedoch in Jugoslawien in Kriegsgefangenschaft und Gertrud Egger hörte lange Zeit nichts von ihm: „Ich war die ewige Braut. Aber es hat sich gelohnt, dass ich auf meinen lieben Mann gewartet habe.“ Schließlich kehrte er am Heiligen Abend des Jahres 1950 zurück und das Paar konnte endlich heiraten.
Seit den 1950er Jahren stand Gertrud Eggers Leben ganz im Zeichen der Familie. Es folgten die drei Kinder: zwei Söhne und eine Tochter. Ihr Mann arbeitete ebenfalls im Stadtmagistrat – zunächst im Marktamt, später als Leiter des Standesamtes. Die Familie lebte in der Sternwartestraße, in der Mozartstraße und schließlich über 60 Jahre lang in der Schützenstraße.

Gelebte Geschichte
In einem Interview für den Podcast „Archivwürdig“ des Stadtarchivs erzählt Gertrud Egger von ihren Erinnerungen an die Kindheit in der Höttinger Au und die Zeit im Zweiten Weltkrieg. Im launigen Gespräch mit Frau Egger erfährt man, wie man damals den Alltag bewältigte und wie man mit der Familie die Wochenenden verbrachte: „Wir waren Skifahren auf der Muttereralm – von der Höttinger Au mit der Stubaitalbahn und zurück nach Innsbruck über die Ferrariwiese.“ Auf den Kofel kam man damals auch ohne Patscherkofelbahn – ein langer Tagesausflug. Und es schließt sich ein Kreis: In der Badgasse – am Standort des heutigen Stadtarchivs und Stadtmuseums – befand sich zu dieser Zeit ein öffentliches Bad, das Frau Egger als Kind regelmäßig besucht hat.
Mehr zur bewegten Geschichte von damals gibt es zum Nachhören unter https://innsbruck-erinnert.at/archivwuerdig-s2-e2/