Auswege aus der Kultur-Krise

© Tiroler Landestheater/Larl
Die Corona-Krise trifft das Innsbrucker Kulturleben hart. Absagen und Verschiebungen lösen Verunsicherung bei Publikum, KünstlerInnen und Kulturschaffenden aus. Wie hilft die Stadt? Ein Gespräch mit Vizebürgermeisterin Mag.a Uschi Schwarzl.

Wie ist die Stimmung in der Innsbrucker Kulturszene?

Die Stimmung ist verständnisvoll und voller digitaler Kreativität. Andererseits aber auch unzufrieden, da dieses „In-der-Luft-Hängen“ Planbarkeit sowohl kurz- als auch mittelfristig schwierig bis unmöglich macht. Ich erhoffe mir von der Bundesregierung etwas realitätsnähere Zeitvorgaben und den unbedingt notwendigen Unterstützungsfonds für Non-Profit-Unternehmen. Darauf warten viele Kulturinstitutionen bereits lange.

Welchen Satz hören Sie zur Zeit am häufigsten?

Sehr oft hören meine MitarbeiterInnen im Kulturamt und ich: "Wir möchten auf jeden Fall versuchen, unsere Veranstaltungen umzusetzen oder zu verschieben, wissen aber noch nicht genau auf wann und melden uns, wenn wir wieder planen können.“ 

„Mich schmerzen der Shutdown unseres Kulturlebens, die Existenzbedrohung vieler Kunstschaffenden und die aktuelle Planungsunsicherheit ganz besonders. Als Stadt tun wir unser Möglichstes, um die negativen Folgen zu minimieren.“ (Vizebürgermeisterin Uschi Schwarzl)

Wird es von Seiten der Stadt direkte finanzielle Unterstützungfür KünstlerInnen und Kulturschaffende geben?

Wir haben die Subventionsordnung per Notrecht geändert, um Fristen zu erstrecken und die frühzeitige Auszahlung von Subventionsraten zu ermöglichen. Zeitgleich hat das Kulturamt alle unsere SubventionswerberInnen angeschrieben und eingeladen, Änderungen, Notwendigkeiten und Wünsche bekannt zu geben. Das Kulturamt bemüht sich intensiv um alle Anfragen und Probleme. Der Kulturausschuss des Gemeinderates hat unter Einhaltung der Abstandsregeln getagt, um Subventionen zu beschließen. Im Stadtsenat haben wir den Weg frei gemacht für Arbeitsstipendien für KünstlerInnen. Das ist ein zusätzlicher Topf mit knapp 100.000 Euro für Kulturschaffende aller Sparten.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf das Kulturleben der Stadt?

Sehr große. Wir können die wachsenden und für das städtische Leben so wichtigen Kulturszenen nur dann über diese Krise retten, wenn wir dafür ebenso Geld in die Hand nehmen wie für die Rettung anderer Sektoren. Kunst und Kultur spielen für unsere Stadtgesellschaft, gerade auch bei der langsamen Rückkehr zur Normalität, eine zentrale Rolle. Und sie sind ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für Innsbruck. Da bin ich sehr froh, dass es noch gelungen ist, zum Jahreswechsel die vielen dreijährigen Förderverträge mit größeren Kultureinrichtungen und auch andere Jahressubventionen noch teils kräftig zu erhöhen. Diese gesicherte Perspektive ist gerade jetzt besonders wichtig.

Stichwort Krise als Chance. Was passiert online?

Wir versuchen von Seiten der Stadt unser Angebot so weit wie möglich digital und kontaktfrei verfügbar zu machen. Viele KünstlerInnen und Kulturschaffende haben kreative Wege gefunden, dass Kunst und Kultur auch von daheim aus zugänglich sind. Dafür möchte ich mich sehr bedanken und wir sind als Stadt bemüht, das auch zu honorieren. Das gilt auch für die Musikschule, wo über Video unterrichtet wird und es einen virtuellen „Tag der offenen Tür“ gibt.

Welche Botschaft möchten Sie den an Kultur interessierten Innsbruckerinnen und Innsbruckern für die nächste Zeit mitgeben?

Ich kämpfe dafür, dass wir als Stadt das Kulturleben und damit das Rückgrat unserer pulsierenden Stadt bestmöglich, rasch und unbürokratisch unterstützen. Wie schon vor Corona angekündigt, starten wir heuer den Prozess „Kulturstrategie Innsbruck 2030“. Diese wird jetzt nach Corona umso wichtiger sein. Und trotz aller Kreativität im Netz – danke dafür – möchte ich euch Kunst- und Kulturschaffenden sagen: Ihr fehlt mir! WG

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