Der Aktionstag wurde von Menschen mit Autismus ins Leben gerufen und steht für Selbstvertretung, gesellschaftliche Akzeptanz und die Anerkennung neurodiverser Lebensweisen.
Golser und Mayr betonen, dass viele autistische Menschen nicht an ihrem Autismus scheitern, sondern an gesellschaftlichen Barrieren, mangelnder Barrierefreiheit, fehlendem Verständnis und unzureichenden Unterstützungsstrukturen. Trotz rechtlicher Fortschritte erleben autistische Kinder, Jugendliche und Erwachsene nach wie vor Benachteiligungen in Bildung, Arbeitswelt, Gesundheitsversorgung, Freizeit und öffentlichem Leben. „Autistische Menschen sind ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft. Sie haben das Recht, ihre Stärken einzubringen und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Inklusion bedeutet nicht Anpassung an gesellschaftliche Normen, sondern die Schaffung von Rahmenbedingungen, die Vielfalt ermöglichen“, erklären Julia Golser und Elisabeth Mayr.
Neurodiversität als gesellschaftliche BereicherungAutismus umfasst ein breites Spektrum unterschiedlicher Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Denkweisen. Manche autistischen Menschen sind außerordentlich begabt in Bereichen wie Analyse, Konzentration, Kreativität, Detailgenauigkeit oder Problemlösung. Gleichzeitig können sensorische Reizüberflutung, soziale Barrieren oder unflexible Strukturen den Alltag erheblich erschweren.
Der Behindertenbeirat fordert daher einen Perspektivenwechsel: Weg von einer rein defizitorientierten Sichtweise, hin zu einer Gesellschaft, die neurodiverse Menschen respektiert, unterstützt und aktiv einbezieht.
Mehr Barrierefreiheit im öffentlichen RaumÖffentliche Einrichtungen, Veranstaltungen und Dienstleistungen müssen stärker auf die Bedürfnisse autistischer Menschen ausgerichtet werden.
Der Behindertenbeirat fordert deswegen
- die Einführung von reizarmen Bereichen bei größeren städtischen Veranstaltungen,
- Rückzugsräume in öffentlichen Gebäuden,
- verständliche und klar strukturierte Orientierungssysteme,
- den verstärkten Einsatz von Leichter Sprache und einfacher Kommunikation,
- die Berücksichtigung sensorischer Barrierefreiheit bei Neubauten und Sanierungen.
Inklusive Bildung von Anfang anViele Familien berichten von Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Bildungsangeboten und ausreichender Unterstützung.
Der Behindertenbeirat fordert daher
- ausreichende personelle Ressourcen für inklusive Kindergärten und Schulen,
- mehr Schulassistenz und individuelle Unterstützung,
- verpflichtende Weiterbildungen für pädagogisches Personal zum Thema Autismus sowie einen verstärkten Fokus darauf in der Lehrer:innenausbildung,
- den Ausbau inklusiver Lernkonzepte,
- einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Bildungswegen.
Bessere Chancen am ArbeitsmarktMenschen mit Autismus sind trotz hoher Qualifikationen überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen.
Der Behindertenbeirat fordert daher
- gezielte Beschäftigungsprogramme für neurodiverse Menschen,
- Beratungsangebote für Unternehmen,
- flexible Arbeitsmodelle und angepasste Arbeitsumgebungen,
- Sensibilisierung von Personalverantwortlichen,
- stärkere Unterstützung beim Übergang von Ausbildung in Beschäftigung.
Verbesserungen im GesundheitswesenViele autistische Menschen erleben Barrieren bei Arztbesuchen, Untersuchungen oder Krankenhausaufenthalten oder den Begutachtungen durch Amtsärzte.
Der Behindertenbeirat setzt sich ein für
- gezielte Schulungen für medizinisches Fachpersonal,
- barrierefreie Kommunikation im Gesundheitsbereich,
- flexible Terminmodelle,
- reizreduzierte Wartebereiche,
- die Einbeziehung von Begleitpersonen und Assistenzkräften bei Bedarf.
Beteiligung autistischer Menschen an EntscheidungenDer Grundsatz „Nichts über uns ohne uns“ muss auch im Bereich Autismus konsequent umgesetzt werden.
Der Behindertenbeirat wünscht sich
- die systematische Einbindung autistischer Menschen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse,
- die Unterstützung von Selbstvertretungsorganisationen,
- regelmäßige Konsultationen bei inklusionspolitischen Maßnahmen,
- eine stärkere Sichtbarkeit autistischer Perspektiven in der Öffentlichkeit.
Innsbruck als inklusive und neurodiverse Stadt gestaltenDer Behindertenbeirat sieht den Autistic Pride Day als wichtigen Anlass, um über bestehende Herausforderungen zu sprechen, aber auch um die Potenziale einer vielfältigen Gesellschaft hervorzuheben.
„Innsbruck ist auf einem guten Inklusionsweg – unser gemeinsames Ziel muss also sein, dass Menschen unabhängig von ihrer Wahrnehmungsweise, Kommunikationsform oder neurologischen Veranlagung gleichberechtigt leben, lernen und arbeiten können“, schließen Golser und Mayr.