„Es freut mich wirklich sehr, dass Sie mich besuchen kommen“, begrüßte Sophie Schipflinger Bürgermeister Johannes Anzengruber in ihrer Wohnung in Neu-Arzl, in der sie mit ihren 102 Jahren noch immer selbstständig wohnt.
„Schön haben Sie’s da, Frau Schipflinger, so ruhig“, bemerkte das Stadtoberhaupt beim Blick aus dem Fenster im 1. Stock des Mehrfamilienhauses und überreichte dem Geburtstagskind einen Blumenstrauß und einen süßen Schokoladen-Gruß.
Sophie Schipflinger wurde am 15. Mai 1924 in Kundl geboren und besuchte die Volksschule in Kirchbichl. Während der Schulzeit wohnte sie in Itter bei ihrem Bruder, einem Konditor, und fuhr jeden Tag mit dem Fahrrad in die Handelsschule nach Wörgl: „Das waren acht Kilometer, also 16 hin und zurück, ein ganz schönes Stück.“ Als sie zum Arbeiten nach Innsbruck ging, wohnte sie zunächst in Lans: „Wenn ich die Tramway versäumt hab‘, bin ich schon auch zu Fuß herunter gegangen.“ Die Freude an der Bewegung ist der rüstigen Pensionistin bis heute geblieben und sie bewältigt die Stiege zu ihrer Wohnung im 1. Stock ohne Probleme: „Das packen sie schon noch, die Füße, aber man wird halt alt.“
Erfülltes Arbeitsleben
36 Jahre lang war Frau Schipflinger ab dem Jahr 1941 bei der Stadt Innsbruck in der Stadtkassa beschäftigt. „Ich war immer schon ein Rechenfuchs und ich war immer gern bei der Stadt“, schmunzelt Sophie Schipflinger über sich selbst: „Steuern, Abgaben, Gebühren – da hab‘ ich mich ausgekannt. Wir haben viel im Kopf gerechnet und hatten darin Übung. Wir hatten ja nur unsere Rechenmaschindln, keine Computer.“ Monatlich mussten die Gehälter aller städtischen Bediensteten in bar ausbezahlt werden, dazu mussten die Mitarbeiter:innen der Stadtkasse alle Beträge auf die Münze genau für jede Abteilung und jedes Amt abzählen. Seit 1977 ist sie in Pension: „Sie haben mich nicht früher gehen lassen – ich habe zu viel gewusst!“ sagt Frau Schipflinger mit einem Augenzwinkern. Auch Frau Schipflingers Mann war bei der Stadt angestellt, in der Gemeinderatskanzlei. Seit seinem Tod im Jahr 1998 lebt Frau Schipflinger allein in ihrer Wohnung in der Pontlatzer Straße.
Rüstig und humorvoll
Aktuelle Ereignisse entgehen der interessierten Pensionistin nicht. So erkundigte sie sich nach den für Innsbruck geplanten Elektrobussen, nach den Investitionen und nach den aktuellen Finanzen der Stadt Innsbruck. „Was meinen Sie, wieviele Bürgermeister habe ich erlebt?“ lautete eine Frage des Geburtstagskindes an Bürgermeister Anzengruber. Nach kurzem Nachzählen sind es elf Bürgermeister:innen, die Sophie Schipflinger teils auch persönlich kennengelernt hat.
Auch das tägliche Blutdruckmessen stand während des Bürgermeister-Besuchs am Programm: „In meinem Leben war ich nicht viel krank, einmal hatte ich Keuchhusten und einmal Diphtherie“, erzählte Frau Schipflinger, während der Bürgermeister die guten Messwerte in die Liste eintrug.
„Ich habe mich sehr über das nette Gespräch und den Austausch mit Ihnen gefreut. Alles Gute für Sie, liebe Frau Schipflinger, besonders Gesundheit, und ich freue mich, Sie nächstes Jahr wiederzusehen“, verabschiedete sich Bürgermeister Anzengruber von der rüstigen Seniorin.
Hohes Alter in Innsbruck
Aktuell (Stichtag 1. Juni 2026) wohnen in Innsbruck 47 Personen, die 100 Jahre alt oder älter sind, sechs Männer und 41 Frauen. Die beiden ältesten Frauen sind 106 und der älteste Mann 105 Jahre alt. AS