Die Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin Manuela Rathmayer und die Musikwissenschaftlerin und Historikerin Sandra Hupfauf entwickelten für ihr Projekt der „gedenk_potenziale 2026“ digitale Collagen, 3D-Rekonstruktionen und eine theatralische Inszenierung im Hörspiel-Stil.
„Wir erleben hier eine spannende und innovative Herangehensweise der Gesellschaftsforschung, wie man an diese Opfer des Antisemitismus erinnern kann“, betonte Vizebürgermeister Georg Willi bei der Präsentation am 5. Mai: „Diese Welt, die bei diesem Hörspiel im Kopf entsteht, macht es einem leicht, sich in die Menschen hineinzuversetzen und Mitgefühl zu empfinden – eine der besten Voraussetzungen, um das Geschehene sich nicht wiederholen zu lassen. Diese Kulturschaffenden waren damals Opfer des Nationalsozialismus und Opfer von Gewalt und Rassismus.“
Aktive GedenkarbeitDer Projekttitel sorgte schon für so manchen Versprecher. Man erwartet „Schuld“ und „Sühne“ im Zusammenhang mit dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, aber warum „Schund und Sünde“? Die Nationalsozialisten verwendeten diese Begriffe, um die Bevölkerung von der neuen und „fremden“ Vergnügungskultur rund um Tanztees, Varietés und Jazz abzuschrecken. Und um die Menschen, die sie damit in Verbindung brachten, zu erniedrigen und auszugrenzen: die lesbische Kabarettistin, den schwarzen Stepptänzer, die jüdische Varietébesitzerin. Auch in Innsbruck gab es „Roaring Twenties“, bis man Lokalbesitzer enteignete, Akteurinnen deportierte und Volksmusik zum Ausdruck der „deutschen Volksseele" degradierte.
Siegerprojekt der „gedenk_potenziale 2026“
Der Zeitreiseführer kann einfach über eine
Webapplikation heruntergeladen werden. Der Weg durch die Innsbrucker Innenstadt führt zu mehreren Stationen: Das Apollo-Varieté, die Schindler-Villa, das Café München, begleitet von der Musik von damals, illustriert mit 3D-Rekonstruktionen aus Fotos, Ansichtskarten und alten Plänen. So entstehen Collagen: Wie ein Puzzle fügen sich mehrere Erinnerungsstücke zusammen.
Zeitreiseführer „Schund und Sünde“, Zeitreiseführer-Team: Manuela Rathmayer, Sandra Hupfauf, Stefan Hartlieb, Konrad Kuhn. Ausführung: Julienne Schult, Locandy GmbH
gedenk_potenziale 2028Ab 5. Mai läuft auch die Einreichfrist für die „gedenk_potenziale 2028“. Einreichungen sind bis 1. September 2026 (16.00 Uhr) ausschließlich in digitaler Form als PDF-Dateien an
einreichung@gedenkpotenziale.at möglich.
Alle Informationen unter
www.innsbruck.gv.at/gedenk-potenziale