Gedenkort Reichenau: Ein Jahr Erinnerungsaufbau

Namenssteine mit bekannten Opfern fertig – Begleitende Website online

Die Namenssteine stehen nun eingraviert mit Namen und Alter der 115 derzeit bekannten Opfer am neuen Gedenkort Reichenau. © Stadt Innsbruck/T.Rettenbacher
Am 8. Mai 2025 erfolgte der symbolische Baustart zum Gedenkort Reichenau: Direkt in der Nähe des ehemaligen Standortes des Lagerkomplexes entsteht seither das umfangreichste Gedenkprojekt in der Geschichte der Landeshauptstadt Innsbruck.

Ein Jahr später ist die Umsetzung im vollen Gang: Die individuellen „Namenssteine“ stehen und sind nun mit allen Namen der derzeit 115 bekannten Opfer graviert. Zeitgleich ist nun ein multimediales Herzstück des Gedenkprojekts online: Die begleitend zum Gedenkort gestaltete Website www.gedenkort-reichenau.at, welche die Hintergrundgeschichte des Lagerkomplexes und seiner Opfer umfangreich aufbereitet. Vizebürgermeister Georg Willi freut sich über die laufende Umsetzung des Gedenkorts Reichenau.

„81 Jahre ist es her, dass der Zweite Weltkrieg beendet wurde. Seit 81 Jahren warten die Opfer des Lagerkomplexes auf eine würdige Gedenkstätte, die ihre Erinnerung bewahrt und in einen Dialog mit den Menschen der heutigen Zeit tritt. Der Gedenkort Reichenau soll informieren, aufrütteln und wachsam machen für die Mechanismen der Menschenverachtung, die immer in unermesslichem Leid münden – damals wie heute ist all das relevant“, führt Vizebürgermeister Georg Willi aus.

115 Mahnmale
115 Namenssteine aus Beton wachsen aus dem Areal nahe der Grenobler Brücke: Sie sind Erinnerungsstelen an die derzeit 115 bekannten Opfer, die im Lager Reichenau ermordet wurden bzw. an den Folgen ihrer dortigen Inhaftierung gestorben sind. Ihre Namen und ihr Alter sind darauf vermerkt, angeordnet sind die Steine nach dem jeweiligen Todesdatum entlang von Zeitstrahlen. Begleitend dazu veröffentlicht die Stadt Innsbruck ab 9. Mai auf ihrem Instagram-Kanal @stadt_innsbruck Beiträge in Erinnerung an die Opfer.

Erinnerung online
Unter www.gedenkort-reichenau.at finden sich umfangreiche Informationen zu den historischen Hintergründen: Von Informationen zum Lagerkomplex selbst über die Geschichte der Erinnerungsbestrebungen an die Opfer oder Ausführungen zum neuen Gedenkort Reichenau bis hin zu den neuesten Forschungsergebnissen – frei verfügbar und zugänglich sowohl für Besucher:innen des Lagerkomplexes als auch die breite Bevölkerung.

Projektphase 1
In Projektphase 1 erfolgte die Platzierung und Gravur der 115 Namenssteine sowie die topografische Gestaltung des Areals. Im Sommer 2026 folgt die Pflasterung der 8.500 Pflastersteine, die sich zu einer Welle erheben und die Anzahl der Menschen symbolisieren, die im Lagerkomplex Reichenau inhaftiert waren.

Projektphase 2
In einem offenen Pavillon, der in Projektphase 2 errichtet wird, finden sich Informationen zu den Umständen im Lagerkomplex sowie zu dessen Opfern – auch auf digitalen Displays, die ebenfalls in Projektphase 2 installiert werden, ebenso wie Sitzgelegenheiten und die Beleuchtung. Die Arbeiten für Projektphase 2 starten nach der Ausschreibung und Vergabe Mitte 2026 und werden im Laufe des Jahres durchgeführt.

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