Das Innsbrucker Housing-First-Netzwerk erhält Verstärkung: Mit dem DOWAS Chill Out bietet nun ein weiterer Träger das erfolgreiche Wohnmodell an.
Der Schwerpunkt liegt auf jungen Erwachsenen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Die ersten Klient:innen des Chill Out konnten bereits in eine Housing-First-Wohnung einziehen.
Housing First ist ein Angebot im Rahmen von WOHNSCHIRM – dem Programm des Sozialministeriums zur Verhinderung und Beendigung von Wohnungslosigkeit. Es stellt Menschen, die von Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen sind, direkt eine eigene Wohnung zur Verfügung. Die sozialarbeiterische Begleitung erfolgt bedarfsorientiert und unabhängig vom Mietverhältnis. In Innsbruck wird WOHNSCHIRM Housing First von mehreren Trägerorganisationen umgesetzt. Während Caritas Tirol und der Verein für Obdachlose das Angebot für wohnungslose Menschen allgemein anbieten, richten sich die Angebote von lilawohnt an Frauen, jene der Diakonie Tirol an geflüchtete Menschen und jene des DOWAS Chill Out an junge Erwachsene.
„Mit Housing First schaffen wir nachhaltige Lösungen statt Notlösungen. Die hohe Erfolgsquote von bis zu 90 Prozent bestätigt den Ansatz eindrucksvoll. Deshalb stellt die Stadt Innsbruck heuer weitere 30 Stadtwohnungen für das Programm zur Verfügung. Dass nun mit dem Chill Out auch junge Erwachsene gezielt begleitet, werden können, ist ein wichtiger Schritt. Gerade in dieser Lebensphase entscheidet sich oft, ob ein Krisenerlebnis überwunden werden kann oder sich dauerhaft verfestigt“, betont Vizebürgermeister und Sozialstadtrat Georg Willi.
Der Bedarf an einem eigenen Angebot für junge Erwachsene ist groß. Fachstellen und Notunterkünfte berichten seit Jahren von einer hohen Zahl junger Menschen in Wohnungsnot. Häufige Ursachen sind familiäre Konflikte, Gewalterfahrungen, prekäre Einkommenssituationen oder der Wegfall von Unterstützungsangeboten nach dem Ende der Kinder- und Jugendhilfe. Gleichzeitig haben junge Erwachsene am angespannten Wohnungsmarkt oft besonders schlechte Chancen auf eine eigene Wohnung.
„Junge Erwachsene landen in Wohnungsnot oft in einem Niemandsland zwischen Jugend- und Erwachsenenhilfe. Genau hier setzt unser Housing-First-Angebot an. Eine eigene Wohnung schafft Sicherheit, Perspektiven und die Grundlage dafür, Ausbildung, Arbeit und das weitere Leben wieder in den Griff zu bekommen“, sagt Matthias Tachezy vom DOWAS Chill Out.
Stabilisierung im Fokus
Housing First verfolgt einen grundlegenden Perspektivenwechsel in der Wohnungslosenhilfe. Statt Menschen über lange Zeit in Not- und Übergangseinrichtungen zu betreuen, steht von Beginn an die eigene Wohnung im Mittelpunkt. Gerade für junge Erwachsene ist diese frühe Stabilisierung von besonderer Bedeutung. Längere Phasen der Wohnungslosigkeit erschweren die Entwicklung von Zukunftsperspektiven und können zu nachhaltigen Brüchen in Ausbildung, Beruf und Gesundheit führen.
Das DOWAS Chill Out begleitet bereits seit Jahren junge Menschen auf dem Weg in ein eigenständiges Leben. Allein 2025 konnten 40 junge Erwachsene bei der Anmietung einer Wohnung unterstützt werden. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, wie entscheidend gesicherter Wohnraum für die Stabilisierung der Lebenssituation ist.
Wie wichtig diese Unterstützung ist, schildert eine junge Frau, die mit Begleitung des Chill Out in eine eigene Wohnung ziehen konnte: „Es braucht einfach mehr Angebote wie das, wo ich jetzt bin. Die Wohnsituation ist eh so schlimm, in meinem Alter finde ich einfach keine Wohnung und es kann doch auch nicht sein, dass ich dann auf der Straße schlafen muss. Ich hatte ja auch niemanden, der mich noch unterstützt mit allem. Die Betreuerinnen und Betreuer im Chill Out helfen mir immer, das tut volle gut. Ich bin jetzt sehr froh, in einer eigenen Wohnung zu sein.“