Inklusiver Erlebnisweg in der Reichenau eröffnet

„SINNREICH“ zwischen Tiflisbrücke und Wohnheim Reichenau mit sechs Schautafeln

Bei der Pressekonferenz zum SINNReich-Erlebnisweg: Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (1.v.r), Stadträtin Mariella Lutz (2.v.r), stv. Vorsitzender Behindertenbeirat Michael Berger (2.v.l), BSVT-Obfrau Sabine Karrer (5.v.l) mit den weiteren Beteiligten der Projektgruppe © Stadt Innsbruck/S.Wurm
Bereits vor mehr als zehn Jahren waren die Stadt Innsbruck und der Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) österreichweit Vorreiter: Sie eröffneten gemeinsam einen Info-Wanderweg für Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung.
Wind, Wetter und Vandalismus setzten den Tafeln entlang der Promenade zwischen Rapoldipark und Baggersee dermaßen zu, dass eine Überarbeitung notwendig wurde. Eine Projektgruppe – bestehend aus Vertreter:innen von Stadt Innsbruck, BSVT und Behindertenbeirat – stellte sich dabei im vergangenen Jahr der Herausforderung einen Lehrpfad für alle Sinne in ein zeitgemäßes Erscheinungsbild zu bringen und dabei einen inklusiven Sinnes- und Erlebnisweg zu schaffen.

Sechs Thementafeln
„Sicherheit, Orientierung und Barrierefreiheit sind für alle zentral. Natur, Bewegung und die vier angesprochenen Sinneseindrücke – Sehen, Hören, Riechen und Fühlen – schaffen emotionale Bindung und fördern Verständnis“, betont Bürgermeister Johannes Anzengruber bei der Eröffnung des „SINNREICH“ und lobt den 650 Meter langen neuen Lehrpfad: „Der Projektgruppe sind sechs Informationstafeln gelungen, die eine Erweiterung in Richtung Süden und Osten jederzeit zulassen.“ Die Tafeln zu den Themen Natur, Wasser, Stadtteil Reichenau und Barrierefreiheit können mit einem Rollstuhl unterfahren werden, damit die Tastfelder erreicht werden. Die Inhalte – unter anderem in Brailleschrift – sind einfach, klar und gut lesbar. QR-Codes führen vertiefend auf eine Website. Dort gibt es weiterführende Informationen zum Thema abzurufen. Mit einem installierten Screenreader am Handy können die Inhalte vorgelesen werden.

Erweiterung und Partnerschaften
„Barrierefreiheit betrifft nicht nur Bewegung, sondern auch Sprache, Gestaltung und Informationszugang. Der Lehrpfad führt aktuell von der Tiflisbrücke bis zum Wohnheim Reichenau, geplant ist aber, dass er weiterwächst und dynamisch ist“, erklärt Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr. In den kommenden zwei Jahren soll in weitere Thementafeln investiert werden. Dafür sind die städtischen Ämter für mögliche Partnerschaften untereinander im Austausch. Eine erste Erweiterung in Richtung Osten – unter Einbindung des Gedenkorts Reichenau – ist angedacht. Zudem funktioniert aber auch eine Weiterführung des Lehrpfads nach Süden in Richtung Stadtpark Rapoldi.

Taktile Leitsysteme
Es gibt keinen fixen Start- und Endpunkt. „Die Tafeln sind vom Gehweg leicht erreichbar und gut einsehbar. Taktile Leiteinrichtungen führen von den Bushaltestellen bzw. den Ausgangspunkten hin. Für die Planung wurde besonders darauf Rücksicht genommen, dass die Wege rutschfest, gut beleuchtet und angstfrei begehbar sind“, führt die für Tiefbau zuständige Stadträtin Mariella Lutz die Entstehung weiter aus.

„Für uns ist besonders wichtig, dass SINNREICH nicht als fertiges Projekt gedacht ist, sondern sich gemeinsam weiterentwickeln kann. Wir gestalten diesen Prozess in einem konstruktiven Dialog und mit unterschiedlichen Perspektiven. So kann der Erlebnisweg Schritt für Schritt um weitere Stationen und Inhalte wachsen und neue Möglichkeiten bieten, die Umgebung mit allen Sinnen zu erkunden“, betont Sabine Karrer, Obfrau des BSVT. „Es ist erfreulich, dass die Anregung des Behindertenbeirats, den alten Lehrpfad zu aktualisieren, aufgenommen wurde und in wertschätzender sowie produktiver Zusammenarbeit aller ein toller Start gelungen ist, denn der Pfad soll ja stetig weiterwachsen“, freut sich Julia Golser, Vorsitzende des BBR, dass eine Erweiterung auf mehrere Sinne gelungen ist.

Das Amt für städtische Grünanlagen betreut die Promenade und wird sich in Zukunft auch um die Pflege und Sauberkeit der Infotafeln kümmern. Begehbar ist der Lehrpfad ohne feste Öffnungszeiten und lässt sich auch spontan bei einem Spaziergang erleben. Der erste Fokus lag auf der Zielgruppe Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren. Nicht zuletzt wird dies in der Kindertafel „Biberbau mit Au“ abgebildet. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf älteren Personen. Führungen für Volksschulen und Institutionen – es gab unter anderem bereits Gespräche mit der Volksschule Reichenau und dem Wohn- und Pflegewohnheim – soll es ergänzend geben. Einen Überblick zu den Thementafeln gibt es online unter: www.innsbruck.gv.at/sinnreich SAKU