„Innsbruck lebt von einer vielfältigen und lebendigen Kunst- und Kulturszene. Mit Johanna Tinzl zeichnen wir eine Künstlerin aus, deren Arbeit weit über die Stadt hinauswirkt“, betonte Bürgermeister Johannes Anzengruber anlässlich der Preisverleihung am 14. Oktober: „Der Preis ist zugleich ein Zeichen der Wertschätzung für zeitgenössische Kunst und für jene, die mit ihrem Schaffen neue Perspektiven eröffnen. Ich gratuliere herzlich zu dieser Auszeichnung.“
Zur Jury
Die Fachjury – bestehend aus Günther Dankl (freier Kurator), Claudia Mark (Kunsthaus Graz) und Jürgen Tabor (Museum der Moderne Salzburg) – hat der Künstlerin den Preis in Höhe von 13.000 Euro zugesprochen und begründete ihre Entscheidung wie folgt:
„Johanna Tinzls künstlerische Arbeit zeichnet sich durch eine hohe gesellschaftliche Relevanz und eine sensible, präzise Auseinandersetzung mit Orten, Communities und individuellen Lebensgeschichten aus. Ihre ortsbezogenen Arbeiten gehen aus genauer Recherche hervor und entstehen häufig in partizipativen und kollaborativen Prozessen. Dabei macht sie Stimmen, Erfahrungen und Perspektiven hör- und sichtbar, die in vorherrschenden historischen Erzählungen oft wenig Raum erhalten, ohne diese zu vereinnahmen.
Dies zeigt sich etwa in ihrer Zusammenarbeit mit der Shoah-Überlebenden Helga Pollak-Kinsky oder in ihrer Beschäftigung mit den Lebens- und Arbeitsgeschichten von Frauen im Umfeld der Ternitzer Stahlindustrie. Auch in ihren Tiroler Projekten nimmt sie konkrete Orte und alpine Landschaften zum Ausgangspunkt, um Fragen des Klimawandels und des Biodiversitätsverlusts künstlerisch zu verhandeln. Aus diesen Recherchen und Begegnungen entstehen vielstimmige Arbeiten in unterschiedlichen Medien: von Skulptur und Installation über Film und Fotografie bis zu Sound und Text.“
Zur Künstlerin
Johanna Tinzl (geb. 1976 in Innsbruck), lebt und arbeitet in Wien. 2017 bis 2022 Universität für angewandte Kunst Wien - Universitätsassistentin Ortsbezogene Kunst. 2004 bis 2014 Zusammenarbeit mit Stefan Flunger (SF). 2002 bis 2007 Universität für angewandte Kunst Wien - Transmediale Kunst (Diplom). 1996 bis 2002 Universität Mozarteum - Kunst- und Werkpädagogik - Fokus Bildhauerei (Diplom).
Preise&Stipendien (Auswahl): 2026 Artist in Residence Arctic Circle Expeditionary Residency, Arktis; Arbeitsstipendium, Land Tirol. 2025 Sammlungsankauf, Land Tirol; Ankauf Sammlung Wien Museum. 2021 Staatsstipendium für Bildende Kunst, BMKOES, Wien. 2019 SÍM Artist-in-Residence Program in Reykjavík (IS). 2018 Hilde-Zach-Stipendium der Stadt Innsbruck; Sammlungsankauf, Stadt Innsbruck. 2016 Artist in Residence at FILTER Detroit, Detroit (USA). 2015 Artist in Residence at Red Gate, BKA - Kunst/Kultur, Peking (CHN). 2013 Paul Flora Preis - Autonome Provinz Bozen Südtirol gemeinsam mit dem Land Tirol (mit SF). 2012 Förderpreis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirol (mit SF). 2006 Überlebensstrategien – Residency in Bosnien und Herzegowina (BiH).
Mehr zu Johanna Tinzl unter
https://johannatinzl.net/