Legionellen: Derzeit keine neuen Infektionen

Maßnahmen zeigen Wirkung – Ergebnisse der Proben liegen vor

Der Eingang zum städtischen Gesundheitsamt am Adolf-Pichler-Platz. © IKM/Bär

2026 war europaweit eine höhere Anzahl an Legionellen-Neuinfektionen beobachtet worden, auch in Innsbruck. Mögliche Ursachen wurden gesucht und Maßnahmen wurden konsequent umgesetzt. Diese zeigen Wirkung: Seit 5. Oktober wurden in Innsbruck keine neuen Legionellen-Infektionen verzeichnet. Die Laboranalysen der Beprobungen im Stadtgebiet liefern erste Ergebnisse.

Für 2026 war auch in Innsbruck ein Anstieg von Legionellen-Infektionen im Jahresvergleich festgestellt worden. Das Amt für Gesundheit, Markt- und Veterinärwesen und die Gewerbeaufsicht hatten hier in Abstimmung mit dem Land Tirol und der AGES umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die konsequent umgesetzt wurden. Seit 5. Oktober wurden keine neuen Fälle mehr gemeldet, die Gesamtzahl der 2026 bisher gemeldeten Fälle beläuft sich damit weiterhin auf 23 gemeldete Infektionen, darunter mit Stand 20. Oktober 2026 drei Todesfälle. Die durchgeführten Laboranalysen von möglichen öffentlichen Quellen im Stadtgebiet lieferten Ergebnisse zur Keimbelastung, ein letztgültiger Quellnachweis war nicht möglich. Seit der umfassenden Reinigung der beprobten Anlagen unmittelbar nach der Erhebung konnten keine weiteren Infektionen verzeichnet werden.

„Wird ein Fall gemeldet, reagiert das Gesundheitsamt umgehend. Es wurden direkt Proben aus dem unmittelbaren Lebensbereich der Betroffenen entnommen und gemeinsam mit betroffenen Einrichtungen Sofortmaßnahmen umgesetzt. Da die absolute Mehrheit der Fälle auf den privaten Bereich entfällt, wurden parallel dazu alle möglichen öffentlichen Quellen im Stadtgebiet identifiziert, beprobt und gereinigt. Seit der Reinigung dieser Anlagen konnten keinen neuen Infektionen verzeichnet werden“, betont Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber und führt weiter aus: „Durch das rasche Einschreiten und die gute Zusammenarbeit der beteiligten Behörden, insbesondere aber durch die frühzeitige Einbeziehung der AGES, konnte einem möglicherweise explosionsartigen Anstieg der Krankheitsfälle – wie er bei einer Verbreitung der Legionellen durch Kühlanlagen typisch wäre – zuvorgekommen werden.“

„Das Innsbrucker Gesundheitsamt hat bei jedem Fall sofort reagiert und Beprobungen, Analysen und Sofortmaßnahmen durchgeführt. Seit Anfang Oktober wurden nun keine neuen Fälle mehr gemeldet, leider ist aber eine weitere erkrankte Person mittlerweile verstorben. Wir behalten die Lage weiterhin im Auge. Wie die Mehrheit der Infektionen zeigt, liegt der Fokus von Legionellen nicht auf bestimmten Einrichtungen. Wir haben uns deshalb konsequent für eine möglichst breite Analyse der Sachlage entschieden – und gleichzeitig rasch Maßnahmen zur Verhinderung weitere Infektionen umgesetzt“, erklärt Amtsvorstand Ulrich Schweigmann (Gesundheit, Markt- und Veterinärwesen) und weiter: „Weiterhin gilt: Legionellen können überall auftreten, wo warmes Wasser über einen längeren Zeitraum steht oder vernebelt wird. Insbesondere Privathaushalte sind hier angehalten, wachsam zu sein, Boiler auf mindestens 60 Grad einzustellen und Leitungen sowie Aufbereitungsanlagen regelmäßig zu kontrollieren.“

23 Fälle seit Jahresbeginn, drei Todesfälle

Bis 5. Oktober 2026 konnten insgesamt 23 Fälle von Legionellen-Infektionen im Innsbrucker Stadtgebiet verzeichnet werden, darunter insgesamt fünf gemeldete Infektionen in zwei Senior:innenheimen, bis zum 20. Oktober 2026 sind drei der erkrankten Senior:innen verstorben. Zusätzlich zur Legionellen-Infektion werden hier weitere Faktoren untersucht. Die Mehrheit der gemeldeten Infektionen – 18 von 23 – entfiel auf den privaten Bereich. Vier davon hatten sich nachweislich außerhalb von Innsbruck infiziert. Seit 5. Oktober 2026 wurden keine neuen Infektionsfälle gemeldet.

Umfangreiche Beprobungen, Unterstützung der AGES

Das Gesundheitsamt hat für den relativen Anstieg der Legionenellenfälle im Jahresvergleich verschiedene mögliche Ursachen identifiziert und Proben von möglichen Bakterienquellen entnommen. Bei den 23 gemeldeten Erkrankungen wurde eine Konzentration im Osten der Stadt beobachtet. Bereits frühzeitig suchte das Innsbrucker Gesundheitsamt um Unterstützung der AGES in Wien an:

„Dr. Ali Chakeri von der AGES hat ein KI-gestütztes Programm entwickelt, mit dem er bereits die betroffenen Kühltürme in anderen österreichischen Städten erfolgreich lokalisieren konnte. Dabei werden die Winddaten der Geosphere Austria zum relevanten Zeitraum, der Wohn- oder Aufenthaltsort der Erkrankten und so der Standort möglicher technischer Infektionsquellen ermittelt“, führt Stadtphysikus Ulrich Schweigmann aus.

Aus der Analyse von Satellitenbildern wurden so 28 mögliche Infektionsquellen im Stadtgebiet lokalisiert, wovon eine nach Vorlage regelmäßiger Testergebnisse ausgeschlossen werden konnte. Die verbliebenen 27 Anlagen wurden vom Gesundheitsamt gemeinsam mit der Gewerbeaufsicht und der Chemisch-Technischen Umweltschutzanstalt des Landes Tirol (CTUA) überprüft. Bei 22 Anlagen handelte es sich um geschlossene Kühlsysteme, die kein Aerosol erzeugen und deshalb als Infektionsquelle nicht infrage kommen.

Aus den übrigen fünf Anlagen wurden Proben entnommen, unmittelbar danach wurde eine Reinigung angeordnet. In zwei Anlagen ließen sich hohe Keimzahlen nachweisen, auch Legionellen-Bakterien der Serotypen 2-14 konnten nachgewiesen werden. Diese sind für den Menschen ungefährlich.

Legionellen des Serotyps 1, die beim Menschen Lungenentzündungen verursachen können, lassen sich in Proben mit hoher Keimbelastung technisch sehr schwer nachweisen. Dies ist auch hier nicht gelungen. Ein letztendlicher Beweis, welche Anlage hier möglicherweise Infektionen verursacht hat, konnte so nicht erbracht werden.

„Es ist wichtig zu bedenken, dass die 23 Personen, die sich in Innsbruck mit Legionellen des Serotyp 1 infiziert haben, diese Infektionen aus verschiedenen Quellen, nämlich Pflegeeinrichtungen, privatem Umfeld, möglicherweise durch eine verunreinigte Kühlanlage, oder – in vier Fällen – auch außerhalb von Innsbruck erworben haben“, erklärt Amtsvorstand und Mediziner Ulrich Schweigmann.

„Mit den gewonnen Daten aus der KI-unterstützten Analyse konnten wir mögliche Quellbereiche rasch eindämmen und direkt gezielte Sofortmaßnahmen durchführen. Vielen Dank an alle, die hier gemeinsam mit dem Team des Gesundheitsamts an der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen gearbeitet haben. Derzeit zeigen sie gute Wirkung – wir werden die Lage weiterhin beobachten“, betont Bürgermeister Johannes Anzengruber.

Seit der umfassenden Sofortreinigung nach Entnahme der Proben von möglichen öffentlichen Quellen wurde keine neuen Legionellen-Infektion im Innsbrucker Stadtgebiet gemeldet.

Schutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen

Wird eine Legionellen-Infektion gemeldet, setzt das städtische Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden direkt Schritte zur Analyse und Vermeidung von Infektionen: Bei Meldungen aus dem Pflegebereich wurden umgehend Proben aus den Zimmern der betroffenen Personen und allgemein genutzten Einrichtungen entnommen und auf Legionellen geprüft. Bei Verdacht auf Legionellen in Pflegeeinrichtungen werden Sofortmaßnahmen angeordnet und umgesetzt:

  • Kann ein Vorhandensein von Legionellen nicht sicher ausgeschlossen werden, werden Duschköpfe kurzfristig mit Legionellenfiltern ausgestattet.
  • Thermische Desinfektion aller Wasserleitungen durch das Spülen mit heißem Wasser (mindestens 70 Grad Celsius). Legionellen-Bakterien werden bei dieser Temperatur vollständig abgetötet.
  • Überprüfung der gesamten Sanitärinstallation auf mögliche Stellen, an denen sich Legionellen-Bakterien vermehren können
  • Prüfung und bei Bedarf Sanierung der gesamten Trinkwasseranlagen
  • In der gesamten Warmwasserversorgung darf es keine Stellen geben, in denen sich Warmwasser mit einer Temperatur von weniger als 55 Grad Celsius ansammeln kann.
  • Boiler müssen Wasser auf eine Mindesttemperatur von 60 Grad Celsius aufheizen, um eine Ansammlung von Legionellen-Bakterien zu verhindern.
  • Überprüfung der Zirkulationsleitungen.
  • Umfassende Sensibilisierung des Personals, der Bewohner:innen sowie der Angehörigen.
  • Für alle Senior:innenheime ist eine umfassende Risikoanalyse der gesamten Trinkwasserversorgung durch zertifizierte Trinkwasserhygieniker:innen verpflichtend.
  • Auch werden in allen Heimen Wasserleitungen, die längere Zeit nicht benutzt werden, verpflichtend alle 72 Stunden mit Wasser gespült.
  • Die Betreiber:innen aller Heime werden regelmäßig an die Einhaltung der geltenden Hygienestandards erinnert und darauf überprüft.

Auch im Bereich der Senior:innenheime wurden seit Anfang Oktober keine neuen Infektionen verzeichnet.

Maßnahmen für Haushalte

Weiterhin ist die Mehrheit aller bisher gemeldeten Infektionen im privaten Bereich zu verorten. Für Privathaushalte wird die Einstellung des Warmwasserboilers auf mindestens 60 Grad Celsius empfohlen. Sogenannte „Legionellenschaltungen“, die das Wasser nur einmal in der Woche ausreichend erhitzen, bieten keinen sicheren Schutz, da bereits nach drei Tagen die Anzahl der Keime wieder deutlich angestiegen sein kann. Nach längeren Nutzungspause (z.B. nach Urlauben) sollten die Leitungen mit heißem Wasser mehrere Minuten durchgespült werden – insbesondere, bevor die Dusche benutzt wird. Auch Kaltwasserleitungen sollten nach einer Unterbrechung der Benutzung ausführlich gespült werden. Luftbefeuchter oder weitere Geräte, die Aerosole produzieren können, müssen regelmäßig gereinigt werden.

Privatpersonen sind angehalten, Leitungen und Wasseraufbereitungsanlagen in ihren Haushalten regelmäßig zu überprüfen. Die Infektionslage wird in enger Abstimmung mit dem Land Tirol und der AGES kontinuierlich beobachtet.




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