Literarische Spannung, popkulturelles Spiel

Hilde-Zach-Literaturstipendien werden am 10. November überreicht

Am 10. November werden in der Stadtbibliothek die Hilde-Zach-Literaturstipendien 2026 übergeben. © Stadtbibliothek Innsbruck/Ascher

Die Autorinnen Eva-Maria Müller und Katrin Rauch erhalten die „Hilde Zach-Literaturstipendien 2026“ der Stadt Innsbruck. Die feierliche Übergabe findet am Dienstag, 10. November, um 19.00 Uhr in der Stadtbibliothek (Amraser Straße 2, 1. Stock) statt.

Das mit 7.500 Euro dotierte Hauptstipendium ergeht an Eva-Maria Müller. Katrin Rauch nimmt das Förderstipendium in Höhe von 3.500 Euro entgegen.
„Die beiden Autorinnen scheinen auf den ersten Blick recht unterschiedliche literarische Ansätze zu verfolgen: Eva-Maria Müller nimmt sich in erzählerischer Weise eines historischen, aber bis heute aktuellen Stoffes an. Katrin Rauch hingegen beschreibt unsere Gegenwart, experimentell und knapp in ihrer Formulierung. Die sprachliche Präzision haben sie gemeinsam und beide werden uns in ihren Bann ziehen. Ich freue mich auf einen spannenden literarischen Abend”, betont Vizebürgermeister Georg Willi.
Interessierte sind herzlich willkommen, um Anmeldung unter +43 512 5360 5700 wird gebeten.

Ein Hinweis: Fotos der Preisträgerinnen werden am Mittwoch, 11. November nachgeschickt.

Die Jury

Die Mitglieder der Fachjury – Thomas Arzt (Schriftsteller), Maria Piok (Leiterin Literaturhaus am Inn) und Irene Zanol (Forschungsinstitut Brenner-Archiv Innsbruck) – begründeten ihre Entscheidung wie folgt:

„Mit Eva-Maria Müller wird eine Autorin ausgezeichnet, die mit ‚Und leg dich ins Licht‘ einen historisch akribisch recherchierten Stoff in ein beklemmendes und hochaktuelles Kammerspiel verwandelt. Im Zentrum steht die junge Magd Afra, die mit ihrem Neugeborenen in einem Tiroler Dorf des 17. Jahrhunderts eingeschlossen ist: Hötting wird nach Ausbruch der Pest abgeriegelt, während die Seuche immer weiter um sich greift. Zwischen Baderin und Wirtin, Händler, Hure und Landrichter entfaltet Müller ein dichtes Panorama von Abhängigkeit, Hierarchie und Gewalt – und erzählt zugleich die existentielle Geschichte einer Frau, die versucht, sich und ihr Kind aus einer Welt zu retten, die buchstäblich aus den Fugen gerät. Sprachlich präzise und wuchtig, in den Dialogen markig historisch gefärbt, ohne sich anzubiedern, entwickelt der Text einen enormen Sog. Besonders überzeugt hat uns dabei die dramaturgische Klugheit, mit der Müller historische Genauigkeit und Spannung verbindet: Aus einem historisch verbürgten Lockdown wird eine Geschichte über Isolation, Ausgeliefertsein und Überleben, die weit über ihren historischen Schauplatz hinausweist.“

„Katrin Rauch wiederum macht in ‚outer mono space‘ schon auf der Seite deutlich, dass hier jedes Zeichen zählt. Ihre streng zu kleinen Blöcken geformten, konsequent kleingeschriebenen Gedichte sind Sprachlabor, Gegenwartsdiagnose und popkulturelles Spiel zugleich. Rauch ‚zerdenkt entscheidungen‘, lässt uns zwischen Hitze und Klimagerät ‚erschwitzen‘ und ‚überfrieren‘ und schickt die letzten Sandalen kurzerhand als Air Max in die Gegenwart. Zwischen Klimakrise, Hybris, Technik und Alltagskultur entstehen eigensinnige Wortschöpfungen und überraschende Kollisionen, die mal anklagend, mal komisch und immer wieder selbstironisch sind. Diese Lyrik will, wie sie selbst sagt, Beton mit ‚wildwuchsstartbahnen‘ aufbrechen – und genau darin liegt ihre Kraft: in der Lust daran, vertraute Sprache auseinanderzunehmen und anders wieder zusammenzusetzen. ‚outer mono space‘ ist ein beachtliches, im besten Sinne eigenwilliges, engagiertes und formal konsequentes Experiment. Mit dem Förderstipendium möchten wir Katrin Rauch ermutigen, dieses Experiment weiterzutreiben.“

Die Autorinnen

Eva-Maria Müller ist promovierte Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und lebt in Innsbruck. Sie ist als Autorin und Dramaturgin sowie in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Lehramtsstudium Englisch und Biologie an der Universität Innsbruck. Forschung und Lehre an Universitäten in Kanada, USA, Australien und Deutschland. 2020 Promotion am Graduate Centre for the Study of Culture der Universität Gießen mit einer Arbeit zu Bergliteratur, Tourismus und kulturellen Imaginationen alpiner Räume. Ihre Forschung zur Repräsentation von Ökologie, Geschlechterverhältnissen und sozialer Ungleichheit im alpinen Raum wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Stolzenberg-Preis der Universität Gießen sowie dem Internationalen Preis für Dissertationsarbeiten in Canadian Studies der Universität Innsbruck. Parallel dazu realisiert Müller seit 2015 Projekte an der Schnittstelle von Dramaturgie, Kulturvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit, u.a. für das Theaterfestival Steudltenn (seit 2015) sowie Kulturprojekte von Ötztal Tourismus (2014 - 2020) und Lech Tourismus (seit 2025). „Und leg dich ins Licht“ (Arbeitstitel) ist ihr erstes Romanprojekt.

Katrin Rauch (geb. 1994 in Zwettl/NÖ), 2014 Umzug nach Innsbruck. Seit 2017 in der Tiroler Poetry-Slam-Szene. Seit 2018 bis heute Gründungsmitglied der intermedialen Lesebühne Frau Herrmanns Katerstrophen (FHK5K), erste Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, mehrmalige Nominierungen für die Tiroler sowie Österreichischen Poetry-Slam Meister*innenschaften. 2018 Erster Preis beim Literaturwettbewerb des Schwazer Silbersommers. Seit 2021 regelmäßiges Mitwirken am Literaturmagazin „Eisenbart & Meisendraht“ bei Radio-Z in Nürnberg. 2023 Würdigungspreis für Poetry Slam des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck. 2024 Abschluss des Masterstudiums der Vergleichenden Literaturwissenschaft. 2025 Projektleitung des Ö-Slam 25 (österreichische Poetry-Slam-Meister*innenschaften). 2026 Teilnahme an der Literaturwerkstatt des Literaturhauses am Inn in Innsbruck.



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