Ab Herbst 2027 wird im Innsbrucker Kindergarten Daniel Sailer österreichweit erstmals im elementarpädagogischen Bereich das Modell der „Anerkannten Europäischen Schule (AES) Tirol“ eingeführt. Bei diesem Konzept werden Kinder in ihrer dominanten Sprache (Erstsprache) sowie in Deutsch gefördert. Dabei gibt es eine in Englisch, eine in Italienisch sowie eine in Deutsch geführte Gruppe, bei der auch andere europäische Sprachen gefördert werden. Ziel ist es, den Kindern Vielfalt und Mehrsprachigkeit näherzubringen, ihnen europäische Werte wie Respekt, Toleranz, Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis zu vermitteln und ihnen eine hochwertige, mehrsprachige Ausbildung nach europäischen Standards zu ermöglichen.
„Die Förderung der dominanten Sprache unterstützt das Erlernen anderer Sprachen. Mehrsprachigkeit ist ein Schatz, den es zu pflegen gilt – für jede Einzelne und jeden Einzelnen und für die Gemeinschaft. Besonders wichtig ist dabei, dass wir auch weitere europäische Sprachen fördern können. Ein Zeichen dafür, dass alle Sprachen wertvoll sind und Vielfalt kombiniert mit Bildung der größte Schatz von allen ist“, betont die für Bildung ressortzuständige Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr.
Außerdem bietet das AES-Konzept ein durchgängiges Bildungssystem vom Kindergarten bis hin zum Europäischen Baccalaureat (Matura). „Mit dem städtischen Kindergarten legen wir den perfekten Grundstein für diese Schulform. Als erste Bildungseinrichtung ist der Kindergarten der wichtigste und buchstäblich ‚elementarste‘ Grundstein für die weitere Entwicklung und Chancengerechtigkeit. Umso wichtiger ist uns, dass weiterhin garantiert ist, dass sowohl die Schulen als auch der Kindergarten als öffentliche Einrichtungen geführt werden, es also unabhängig vom finanziellen Hintergrund möglich ist, dass Kinder diese Einrichtungen besuchen können“, erklärt Mayr.
Europäische Werte im Fokus
Das städtische Amt für Kinder, Jugend und Generationen wird gemeinsam mit der Abteilung Elementarbildung und allgemeines Bildungswesen des Landes Tirol an der Umsetzung des AES-Modells im städtischen Kindergarten Daniel Sailer im Stadtteil Saggen arbeiten. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt Innsbruck und Land Tirol wurde am 11. Mai 2026 unterzeichnet. Ab September 2027 soll das Konzept in Innsbruck zur Anwendung kommen.
Im Rahmen der „Anerkannten Europäischen Schule Tirol“ im elementarpädagogischen Bereich arbeiten Bildungseinrichtungen mit einem europäischen Unterrichts- und Erziehungsmodell – genannt „Early Childhood Curriculum“ –, das sich gut mit dem österreichischen Bildungsrahmen verbinden lässt. Zudem werden in diesem Modell europäische Werte wie Menschenrechte, Gleichheit, Demokratie, ökologische Nachhaltigkeit, Interkulturalität und Sprachbewusstsein mit Respekt für die dominante Sprache in den Mittelpunkt gestellt.
In der Umsetzung bedeutet das konkret, dass alle Kindergartengruppen eine unterschiedliche Sektionssprache haben. Die Sektionssprache ist die Hauptsprache der jeweiligen Gruppe –(Englisch, Italienisch, Deutsch) und diese wird von einem Native Speaker begleitet und unterstützt. In der dritten Gruppe Deutsch können je nach dominanter Sprache der Kinder unterschiedliche Native Speaker anderer europäischer Sprachen eingesetzt werden.
Innsbruck als Vorreiter
Im Primar- und Sekundarbereich (Volksschule und AHS) wird nach dem AES-Modell bereits seit einigen Jahren in Innsbruck unterrichtet. So war es Kindern im Herbst 2023 erstmalig in Österreich möglich, eine Volksschule nach AES-Standard zu besuchen. Damals wurden die ersten AES-Klassen an den Volksschulen Saggen und Altwilten eröffnet, im Herbst 2024 folgte die Sekundarstufe am Akademischen Gymnasium Innsbruck.MD