Möglich gemacht wurde das detailreiche Kunstwerk am Mitterweg 17, über das sich nicht nur Spaziergänger:innen und Radfahrer:innen beim Vorbeigehen und -fahren freuen, sondern auch die Schüler:innen selbst, durch das Streetart-Stipendium, das alle zwei Jahre von der Stadt Innsbruck vergeben wird. Die Wand wurde von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) zur Verfügung gestellt.
„Streetart belebt den öffentlichen Raum und gehört inzwischen zu Innsbruck als weltoffener und bunter Stadt dazu“, freute sich Vizebürgermeister Georg Willi anlässlich der Urkundenübergabe vor Ort: „Besonders danke ich dem Künstler Olivier Hölzl, der wieder in seine Geburtsstadt zurückgekehrt ist und nach Mumbai oder Dakar nun auch in Innsbruck seine sichtbaren künstlerischen Spuren hinterlässt.“
Das MuralDas großformatige, zweifarbige Wandbild „The Fragmenting Mirror“ zeigt traditionelle und folkloristische Tiroler Figuren wie Spiegeltuxer, aber auch fantastische Figuren wie eine Tannenbaumfrau oder eine teufelartige, wie aus „Herr der Ringe“ entsprungene Figur. Sie halten Smartphones in den Händen, die den Betrachter:innen einen Spiegel vorhalten, wie der Künstler selbst erklärt: „Der Spiegeltuxer trägt einen Spiegel auf seinem Kopfschmuck. Einer überlieferten Deutung zufolge soll er den bösen Geistern ihr eigenes Gesicht vor Augen führen. Seine Bewegungen stehen für Wachstum und den Wechsel der Jahreszeiten. Der Spiegel war nicht bloß Ornament, sondern Teil eines gemeinschaftlichen Rituals – und damit Teil einer Handlung.
Darin liegt der Ausgangspunkt meiner Arbeit. Wir leben in einer Zeit, in der ein gemeinsames Bewusstsein für unsere Beziehung zur Umwelt dringend notwendig wäre. Die Klimakrise ist ständig präsent. Wir sehen ihre Bilder und lesen täglich neue Informationen. Trotzdem entsteht daraus zu selten eine gemeinsame Bewegung. Das Wissen ist vorhanden, bleibt aber fragmentiert.
Heute tragen wir einen anderen Spiegel bei uns: das Smartphone. Endloses Scrollen hält uns in einem Zustand permanenter Reaktion. Wir sehen, wischen, speichern und teilen. Wir sind ständig verbunden und bleiben doch vereinzelt. Das Smartphone beschäftigt uns ununterbrochen, ohne zwangsläufig zu gemeinsamem Handeln zu führen.“
Der Künstler gelangt damit zu der Frage: „Wie finden wir in einer fragmentierten Welt wieder zu einem gemeinsamen Bewusstsein für unsere Umwelt?“
(Olivier Hölzl, Auszug aus dem Konzept)Zum KünstlerOlivier Hölzl (*1979 in Innsbruck) alias LIVIL beendete 2002 sein BWL-Studium und war zunächst im Marketing tätig. Ab 2009 Studium der Malerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien, wobei er sich seit geraumer Zeit auf das Arbeiten mit Stencils (Schablonen) konzentriert. Charakteristisch für LIVILs Arbeiten ist die Kombination von Bild und Text, deren immanenten assoziativen Reichtum der Künstler aufs Beste nutzt. Hölzl lebte und arbeitete in Krakau (Polen), Milwaukee (USA), Mumbai (Indien) und lebt derzeit in Wien.
Alle Informationen zur Streetart in Innsbruck unter
www.innsbruck.gv.at/streetart