„Viele Menschen verbinden Behinderungen noch immer mit sichtbaren Merkmalen oder Mobilitätshilfen. Tatsächlich leben jedoch zahlreiche Menschen mit Behinderungen, die man auf den ersten Blick nicht erkennen kann. Das bedeutet aber keineswegs, dass ihre Herausforderungen geringer sind“, betont Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr.
Zu den nicht sichtbaren Behinderungen zählen unter anderem Autismus-Spektrum, Multiple Sklerose, ME/CFS (Chronisches Fatigue-Syndrom), Endometriose, Epilepsie oder Fibromyalgie. Die Auswirkungen dieser Behinderungen sind individuell sehr unterschiedlich und können sich auch im Laufe der Zeit verändern.
Besonders belastend ist für viele Betroffene, dass sie ihre Behinderung immer wieder erklären oder sogar rechtfertigen müssen. Nicht selten werden ihre Einschränkungen infrage gestellt, weil sie äußerlich gesund erscheinen.
„Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen sehen sich häufig mit Zweifeln, Vorurteilen und mangelndem Verständnis konfrontiert. Diese Form der Diskriminierung ist eine soziale Barriere, die wir als Gesellschaft abbauen müssen“, erklärt Julia Golser, Vorsitzende des Behindertenbeirats Innsbruck.
Viele Betroffene leben zudem mit sogenannten dynamischen Behinderungen. Das bedeutet, dass Unterstützungsbedarf und Beschwerden von Tag zu Tag unterschiedlich sein können. Mobilitätshilfen oder andere Maßnahmen werden daher manchmal benötigt und manchmal nicht. Auch dies führt häufig zu Missverständnissen und ungerechtfertigten Bewertungen durch das Umfeld.
Der Behindertenbeirat der Stadt Innsbruck appelliert deshalb an die Bevölkerung, Menschen nicht nach dem äußeren Erscheinungsbild zu beurteilen. Rücksichtnahme, Offenheit und Vertrauen sind wichtige Voraussetzungen für eine inklusive Gesellschaft und sind prinzipiell im Umgang miteinander positive Faktoren.
„Nicht jede Behinderung ist sichtbar. Was Menschen brauchen, ist nicht Misstrauen, sondern Respekt und Verständnis. Inklusion beginnt dort, wo wir die Erfahrungen anderer ernst nehmen, auch wenn wir sie nicht sehen können“, sind sich Golser und Mayr einig.
Der Tag der nicht sichtbaren Behinderungen erinnert daran, dass Behinderungen viele Gesichter haben. Der Behindertenbeirat Innsbruck und die Stadt Innsbruck setzen sich dafür ein, Barrieren abzubauen und die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben zu fördern – unabhängig davon, ob eine Behinderung sichtbar ist oder nicht.