Anlässlich des Tags des Rollstuhls am 1. März macht der Behindertenbeirat der Landeshauptstadt Innsbruck auf die nach wie vor bestehenden Barrieren im Alltag von Rollstuhlnutzer:innen aufmerksam und richtet klare Forderungen an Bund, Land Tirol und Gemeinden. „Noch immer wird Menschen mit Behinderungen in Österreich gleichberechtigte Teilhabe verwehrt – nicht aus Mangel an Wissen, sondern aus Mangel an politischem Willen“, zeigt sich Julia Golser, Vorsitzende des Behindertenbeirates, kämpferisch.
Rollstuhlfahrer:innen stoßen tagtäglich auf Hindernisse: nicht barrierefreie Gehsteige und Haltestellen, öffentliche Gebäude ohne stufenlosen Zugang, unzureichend adaptierter Wohnraum, fehlende barrierefreie Sanitäranlagen sowie mangelhafte Barrierefreiheit im digitalen Raum. Diese Barrieren schränken Selbstbestimmung, Mobilität, Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe massiv ein.
Der Behindertenbeirat Innsbruck fordert daher:
An den Bund:
• Eine konsequente Umsetzung der bereits von Österreich 2008 ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention in allen Politikbereichen.
• Eine Reform des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes, inklusive wirksamer Sanktionen bei Verstößen gegen Barrierefreiheit.
• Den Abbau rechtlicher Ausnahmen und Übergangsfristen, die Barrierefreiheit weiter verzögern.
• Eine ausreichende finanzielle Absicherung persönlicher Assistenz bundesweit – unabhängig von Wohnort oder Lebensbereich.
An das Land Tirol:
• Verbindliche, überprüfbare Barrierefreiheitsstandards im Bau-, Verkehrs- und Wohnbereich.
• Eine barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Verkehrs in Stadt und Land – inklusive Haltestellen, Fahrzeugen und Fahrgastinformation.
• Mehr leistbaren, barrierefreien Wohnraum sowie Förderungen, die den tatsächlichen Bedarf von Rollstuhlnutzer:innen abdecken.
• Eine stärkere Einbindung von Menschen mit Behinderungen und ihren Vertretungen bei Planungs- und Entscheidungsprozessen.
An Städte und Gemeinden:
• Konsequente barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raums – von Gehsteigen über öffentliche Gebäude bis zu Freizeit- und Kulturangeboten.
• Barrierefreiheit als verbindliches Kriterium bei allen Neu-, Um- und Sanierungsprojekten.
• Regelmäßige Evaluierungen bestehender Barrieren unter Einbindung Betroffener.
• Eine barrierefreie digitale Kommunikation und Verwaltung.
„Barrierefreiheit ist kein Extra und keine Gefälligkeit, sondern ein grundlegendes Menschenrecht“, betont Julia Golser.
Innsbruck gehe seit gut 25 Jahren mit positivem Beispiel voran: „Vieles ist, auch aufgrund der Beharrlichkeit des Behindertenbeirates und seiner Mitglieder, verbessert worden. Der Blick auf Barrierefreiheit wird laufend und immer mehr zu einem selbstverständlichen Bestandteil von Projekten und Abläufen“, erklärt Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr und streicht die Schaffung der eigenen Koordinierungsstelle im Magistrat mit September letzten Jahres als großen weiteren Schritt hervor.
Der Tag des Rollstuhls darf nicht bei symbolischen Gesten stehen bleiben. Er muss Anlass sein, politische Verantwortung zu übernehmen und konkrete Maßnahmen umzusetzen.
„Eine inklusive und faire Gesellschaft entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch konsequentes Handeln. Wer Barrieren bestehen lässt, schließt Menschen aktiv aus. Wer sie abbaut, verbessert den Zugang nicht nur für Wenige, sondern für alle“, sind Golser und Mayr überzeugt.