60 Prozent des Innsbrucker Stadtgebietes sind mit Wald bedeckt. Der Wald ist aber weit mehr als eine forstwirtschaftliche Ertragsfläche. Als CO2-Speicher trägt er wesentlich zu einer gesunden Umwelt bei und ist Erholungsraum. In seiner Funktion als Schutzwald spielt er eine wichtige Rolle als „Puffer“-Zone bei Umweltkatastrophen wie Erdrutschen, Muren oder Lawinen. Um diese Funktionen trotz Klimaerwärmung zu gewährleisten, wird heute vermehrt auf Mischwald gesetzt. Dabei ist es aber zu wenig, nur auf die beliebte Fichte zu verzichten. Die Spezialisten im Amt Wald und Natur wissen genau, wie hier vorzugehen ist und in welcher Umgebung welche Bäume am besten wachsen. Es wird gezielt klimafit aufgeforstet.
Waldbewirtschaftung ist immer auf lange Sicht zu sehen: „Aktuell fällen wir die Bäume unserer Urgroßväter und pflanzen wieder neue Bäume für künftige Generationen. Gerade deshalb ist es wichtig, jetzt auf Baumarten zu setzen, die auch in ca. 100 Jahren noch möglichst gesund und widerstandsfähig sind. Im heurigen Frühjahr wurden in einer ersten Tranche 7.700 Laub- und Nadelbäume angeliefert, insgesamt wurden vom Amt Wald und Natur für das Jahr 2025 12.000 Jungpflanzen bestellt“, informiert der Leiter des Amtes Wald und Natur, Matthias Stang, MSc über die gezielten Aufforstungsinitiativen.
Von Bergahorn bis Zirbe
Das Aufforsten mit jungen Bäumen, vor allem mit Mischbaumarten wie Bergahorn über Rotbuchen bis hin zu Zirben, ist wichtig für den Erhalt der Wälder. Vordringliches Ziel dabei ist aber nicht ausschließlich die Holznutzung. Wiederaufforstung ist nötig, um den Wald gesund und widerstandsfä- hig zu halten: Immer öfter führen Schäden infolge des Klimawandels oder starker Sturmereignisse zum Ausfall von Bäumen und Waldverlust. Auch der Borkenkäfer frisst sich aufgrund zunehmender Hitze und Trockenheit durch Tirols Wälder. Borkenkäfer können sich vor allem im Sommer schnell ausbreiten. Beschädigte Bäume bieten perfekte Nistgelegenheiten und müssen aufwändig bearbeitet werden.
Gemeinsam ein Ziel
Grundsätzlich ist der Waldumbau auf großer Fläche nur in Zusammenarbeit mit den WaldbesitzerInnen möglich. Beim Aufforsten kooperiert das Amt Wald und Natur mit den rund 2.000 Kleinwaldbesitzenden. Aktuell sind zehn Forstarbeiter und ein Lehrling ständig im Einsatz. Zudem sind drei städtische Waldaufseher beratend in ihren Aufsichtsgebieten unterwegs.
Insgesamt investieren die städtischen ForstmitarbeiterInnen jährlich rund 4.000 Arbeitsstunden, die zur Klimafitness der „grünen Lunge“ beitragen. „Wir können auf den städtischen Flächen mit gutem Beispiel vorangehen und versuchen, über die Waldaufseher Überzeugungsarbeit zu leisten. Zum Umbau in Richtung klimafittem Wald zählt nicht nur das Pflanzen neuer Bäume, sondern auch die Pflege von jungen, aber auch alten Beständen. Diese Maßnahmen werfen keine hohen Holzerträge ab, sind aber langfristig für stabile und mischbaumartenreiche Bestände extrem wichtig“, führt Amtsvorstand Matthias Stang aus.
Natur als Lehrmeisterin
Wenn von klein auf gelernt wird, wie wertvoll die Ressource Wald ist und das Bewusstsein für deren Erhalt geschärft wurde, werden auch kommende Generationen noch vom wertvollen Erholungsraum profitieren. „Im Wald vom Wald lernen“ – diesem Motto hat sich die städtische Waldschule verschrieben. Idyllisch auf der Erlerwiese mitten im Mühlauer Stadtwald ist dort praxisnaher Schulunterricht möglich. Unter fachkundiger Betreuung kann das heimische Ökosystem erforscht und entdeckt sowie Flora und Fauna kennengelernt werden.
Das Waldklassenzimmer kann als außerschulischer Lernort sowohl im Rahmen pädagogischer Angebote als auch für selbstorganisierten Unterricht von Schulen gebucht werden. Die Lehrenden der Waldschule sind Personen, die sich um den Wald kümmern und mit ihm arbeiten: Sie kommen aus den Fachbereichen Botanik, Forst, Jagd, Zoologie oder Waldpädagogik. Die SchülerInnen profitieren vom ganzheitlichen Ansatz und lernen, die Zusammenhänge zwischen Natur, Umwelt und Gesellschaft zu verstehen. Bei Interesse kann die Waldschule unter www.etermin.net/ibk-termin-Waldschule gebucht werden. KR
Mehr als 10.000 Hektar des Stadtgebietes sind Wald.
Dieser Wald ist wertvoller Erholungsraum für unsere
Bevölkerung und bietet gleichzeitig unerlässlichen Schutz
vor Naturgefahren. Innsbruck ist von 11 Wildbächen und
Lawinenstrichen bedroht – umso mehr müssen wir laufend
in einen klimaresistenten Bergwald investieren und pflanzen
heuer wieder 12.000 Bäume.
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