Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni

Ältere Menschen mit Behinderungen sind besonders stark von Gewalt betroffen

Der Innsbrucker Behindertenbeirat setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen in der Stadt Innsbruck ein. © Stadt Innsbruck/Behindertenbeirat
Anlässlich des internationalen Welttags gegen die Misshandlung älterer Menschen macht der Behindertenbeirat der Landeshauptstadt Innsbruck gemeinsam mit Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr auf eine oft verdrängte Realität aufmerksam: Ältere Menschen mit Behinderungen tragen ein besonders hohes Risiko, Opfer von Gewalt, Vernachlässigung, Demütigung oder finanzieller Ausbeutung zu werden.

„Gewalt gegen ältere Menschen findet häufig im Verborgenen statt – in Familien, Betreuungseinrichtungen oder im sozialen Umfeld. Menschen mit Behinderungen sind davon überdurchschnittlich betroffen“, erklärt die Vorsitzende des Behindertenbeirates Julia Golser.

Aktuelle Studien zeigen ein alarmierendes Bild: Laut einer vom Sozialministerium beauftragten österreichweiten Prävalenzstudie* haben knapp acht von zehn Menschen mit Behinderungen bereits körperliche Gewalt erlebt, mehr als acht von zehn berichten von psychischer Gewalt. Vier von zehn Betroffenen gaben an, schwere körperliche Gewalt erfahren zu haben. Auch schwere sexuelle Gewalt betrifft laut Studien rund 30 Prozent der befragten Menschen mit Behinderungen.

Besonders besorgniserregend ist die Situation älterer Menschen mit Behinderungen, weil hier mehrere Risikofaktoren zusammentreffen: Pflege- und Unterstützungsabhängigkeit, soziale Isolation, finanzielle Unsicherheit sowie mangelnde barrierefreie Beschwerde- und Schutzmöglichkeiten. „Gleichzeitig bleibt Gewalt gegen ältere Menschen häufig unsichtbar, weil Betroffene aus Angst, Scham oder Abhängigkeit keine Hilfe suchen“, weiß Vizebürgermeisterin Mayr, dass diese Problematik jedoch nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern alle älteren Personen in unserer Gesellschaft betreffen kann.

Der Behindertenbeirat Innsbruck fordert nicht nur die Politik auf, Gewaltprävention endlich konsequent inklusiv zu gestalten. Dazu gehören insbesondere:

  • barrierefreie und leicht zugängliche Meldestellen für Betroffene in allen Tiroler Bezirken,
  • der Ausbau unabhängiger Kontroll- und Ombudsstellen,
  • sowie eine ausreichende personelle Ausstattung im Pflege- und Behindertenbereich.

„Gewalt gegen ältere Menschen mit Behinderungen darf kein Tabuthema bleiben. Eine inklusive Gesellschaft zeigt sich daran, wie sie ihre verletzlichsten Mitglieder schützt“, betonen Golser und Mayr.

Der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen erinnert daran, dass Würde, Selbstbestimmung und Sicherheit Menschenrechte sind – unabhängig von Alter oder Behinderung.

            *   Mayrhofer, H., Schachner, A., Mandl, S. & Seidler, Y. (2019): Erfahrungen und Prävention von Gewalt an Menschen mit Behinderungen. Wien: Forschungsbericht herausgegeben vom BMASGK. Online abrufbar unter https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=718