Bürger:innenrat: Psychische Gesundheit im Fokus

Bürger:innen-Rat und Jugendbeirat erarbeiten Ansätze für mehr Gemeinschaft

Vertreter:innen des Jugendbeirats übergeben ihre Ideen und Anregungen an Bürgermeister Johannes Anzengruber und Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr. © Stadt Innsbruck/I.Ullmann
Im Rahmen der Erarbeitung des Aktionsplans „Gesundheit fördern. Gemeinschaft stärken.“ tagte am 10. und 11. April 2026 ein Bürger:innen-Rat mit zwanzig zufällig aus dem Melderegister ausgelosten Bürger:innen. Die Gruppe spiegelte mit Menschen im Alter von 22 bis 73 Jahren und unterschiedlichen Lebensrealitäten die Vielfalt unserer Gesellschaft wider.
Der Innsbrucker Jugendbeirat brachte speziell die Sichtweisen und Bedürfnisse junger Menschen ein. In zwei Sitzungen widmete er sich dem für viele Jugendliche besonders drängenden Thema der psychischen Gesundheit und setzte damit ein wichtiges Zeichen für mehr Aufmerksamkeit für die Themen von Jugendlichen.

Beide Gremien setzten sie sich mit der Frage auseinander, wie den psychischen Belastungen in unserer Gesellschaft begegnet, die psychische Gesundheit gestärkt werden kann und auf welche Weise Gemeinschaft und gegenseitige Fürsorge in Innsbruck gefördert werden können. Aufgabe des Bürger:innen-Rats und des Jugendbeirats war es, Empfehlungen und Anregungen für Politik und Verwaltung zu erarbeiten und die Sichtweisen der Bevölkerung in die Entwicklung des Aktionsplans einzubringen. Eine Bürgerrätin hält fest: „Unsere Aufgabe ist es, im Namen der Bürger:innen die Stadt besser zu machen.“

Bürgermeister Johannes Anzengruber unterstreicht die Bedeutung dieses Beteiligungsformats: „Bürger:innen-Räte sind ein wesentlicher Gewinn für unsere Demokratie. Sie ermöglichen einen ehrlichen Dialog auf Augenhöhe und bringen wertvolle Perspektiven direkt aus der Mitte der Bevölkerung in die politische Arbeit ein. Diese Expertise des Alltags ist für eine zukunftsorientierte Stadtverwaltung unverzichtbar.“

Die Ergebnisse und Empfehlungen des Bürger:innen-Rats eröffnen einen wertvollen Blick über den Tellerrand hinaus und stammen ausschließlich von den Bürger:innen selbst. Als Grundlage für psychische Gesundheit sieht der Bürger:innen-Rat eine abgesicherte Existenz, leistbaren Wohnraum sowie ein klares Bekenntnis zur finanziellen Absicherung bestehender Angebote. „Wir haben die Trauben zu hoch gehängt – der Fokus liegt auf Work-Life-Balance, weil sich viele zentrale Grundbedürfnisse im Leben nicht mehr leisten können“, bringt es Bürgerrat Alain Zeimet auf den Punkt.

Der Bürger:innen-Rat spricht sich außerdem dafür aus, im öffentlichen Raum mehr Begegnung zuzulassen, und betont: „Der öffentliche Raum gehört uns allen und die Nutzung sollte zugelassen und gefördert werden.“ Empfohlen werden zudem eine architektonisch ansprechende, begegnungsfördernde Gestaltung der Infrastruktur im öffentlichen Raum sowie kommunikative Sitz- und Aufenthaltsflächen. Auch das Thema Mobilität spielte eine ganz zentrale Rolle. Neben einem gut ausgebauten öffentlichen Verkehr lag der Fokus hier unter anderem auf Themen wie Verkehrsberuhigung, dem Ausbau des Stadtradangebots und Carsharing-Angeboten sowie der Idee eines Senior:innen-Taxis. „Ein gutes Mobilitätsangebot ist eine zentrale Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe“, stellte der Bürger:innen-Rat fest.

Besonders wichtig waren dem Bürger:innen-Rat die Themen Kommunikation, Nähe und Begegnung – auch vor dem Hintergrund von zunehmender Einsamkeit. Es brauche mehr Räumlichkeiten für Austausch und Begegnung, öffentliche Räume für nicht-kommerzielle Nutzungen, eine Forcierung der Nachbarschaftshilfe sowie eine stärkere Förderung der Kommunikation im Wohnumfeld, etwa durch kleinere Straßen- und Nachbarschaftsfeste und einladende Begegnungsbänke. Auch die ISD-Stadtteiltreffs sollten ausgebaut werden. Ebenso sollten Leerstände für solche Begegnungsräume genutzt werden. Darüber hinaus schlagen die Bürger:innen regelmäßige Umfragen, etwa in Form eines städtischen Glücksindex, vor.

Im Themenbereich Aufklärung und Information empfahl der Bürger:innen-Rat bewusstseinsbildende Maßnahmen in Schulen, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. Genannt wurden dabei insbesondere Angebote zur Stärkung der psychischen Resilienz sowie Aufklärungsarbeit über psychische Belastungen, die einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung leisten kann. Ebenso wurde über die Sichtbarkeit von Vereinsangeboten und die Möglichkeit des Ehrenamts gesprochen sowie eine zentrale Übersicht über aktuelle Veranstaltungen angeregt. Der Bürger:innen-Rat empfiehlt im Sinne eines „Magistrats der Gemeinschaft“ hier die Einrichtung einer städtischen Koordinationsstelle, deren Aufgabe es sein soll, gezielt das Miteinander und die Gemeinschaft in der Stadt zu fördern. Die Einbindung der Bürger:innen stieß auf positive Resonanz: „Toll, dass es einen Bürger:innen-Rat gibt. Endlich können wir mal mitreden, nicht nur maulen.“

Ergebnisse Jugendbeirat
Auch bei Jugendlichen steht das Thema öffentlicher Raum im Mittelpunkt: Junge Menschen brauchen Rückzugsorte ohne Konsumzwang außerhalb des eigenen Zuhauses sowie mehr Veranstaltungen, die Begegnung, Austausch und Gemeinschaft ermöglichen. Darüber hinaus werden zusätzliche Angebote zur Stressbewältigung und Stärkung der Resilienz angeregt, ebenso wie niederschwellige Unterstützungsangebote von Jugendlichen für Jugendliche. Eine weitere Idee ist eine Kampagne, die für die Anliegen junger Menschen sensibilisiert und ihre Perspektiven stärker sichtbar macht. Auch ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr in die Umlandgemeinden kann wesentlich zur Stärkung von Gemeinschaft beitragen: „Es war spannend zu sehen, wie bestimmte Themen zusammenhängen: Beispielsweise kann die Erhöhung der Nachtbus-Taktung die soziale Interaktion von Jugendlichen fördern und somit zur psychosozialen Gesundheit beitragen“, erklärt Gabriel Grassmayr vom Jugendbeirat.

Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr zeigt sich beeindruckt vom Einsatz auch der jungen Generation: „Das herausragende Engagement der Jugendlichen zeigt, wie sehr ihnen ihre Stadt am Herzen liegt. Die jungen Beirät:innen haben präzise aufgezeigt, wo der Schuh drückt. Ihre Impulse sind unverzichtbar, um Innsbruck für kommende Generationen noch lebenswerter und inklusiver zu gestalten.“

Wie geht es weiter?
Der Innsbrucker Jugendbeirat sowie die Bürger:innen-Räte stellten am 28. April im Rahmen des Stadtforums „Innsbruck im Gespräch“ ihre Ergebnisse und Empfehlungen der interessierten Öffentlichkeit sowie Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung vor. Mit der Präsentation ist der Beteiligungsprozess jedoch noch nicht abgeschlossen: Als nächster Schritt ist ein Expert:innen-Rat vorgesehen, der die Ergebnisse fachlich ergänzt und vertieft. Im Anschluss werden bis Ende des Jahres konkrete und umsetzbare Maßnahmen finalisiert. Diese fließen in einen Aktionsplan zur Förderung der psychischen Gesundheit ein, der dem Innsbrucker Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Weitere Projektinfos finden sich laufend auf der städtischen Beteiligungsplattform mitgestalten.innsbruck.gv.at. DJ

Die Empfehlungen des Bürger:innenrats im Überblick:
  • Ein klares Bekenntnis zu leistbarem Wohnraum und einer finanziell abgesicherten Existenz
  • Begegnungsfördernde Gestaltung des öffentlichen Raums
    • Räumlichkeiten für Austausch und Begegnung
    • öffentliche Räume für nicht-kommerzielle Nutzungen
    • Forcierung der Nachbarschaftshilfe sowie eine stärkere Förderung der Kommunikation im Wohnumfeld
    • Ausbau der ISD-Stadtteiltreffs
    • Leerstände für Begegnungsräume nutzen
  • Gutes Mobilitätsangebot als Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe
    • Gut ausgebauter öffentlicher Verkehr
    • Verkehrsberuhigung
    • Ausbau des Stadtradangebots und Carsharing-Angeboten
    • Bedarfsgerechte und zielgruppenspezifische Mobilitätsangebote (z.B. Senior:innen-Taxis)
  • Regelmäßige Umfragen, etwa in Form eines städtischen Glücksindex
  • Aufklärung und Information zur psychischen Gesundheit
    • Präventionsschulungen: Bewusstseinsbildende Maßnahmen in Schulen, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum
    • Maßnahmen zur Entstigmatisierung von psychischen Belastungen
    • Zielgruppenspezifische Angebote (Senior:innen, Jugendliche, Neuzugezogene, Menschen mit Beeinträchtigung)
    • Bessere und zielgruppenspezifische Kommunikation von bestehenden Angeboten
  • Förderung von Nachbarschaftshilfe und des Miteinanders im Wohnumfeld
    • Nachbarschaftsinitiativen und Straßenfeste
  • Städtische Koordinationsstelle zur Stärkung der Gemeinschaft

Die Empfehlungen des Jugendbeirats im Überblick:
  • Rückzugsorte ohne Konsumzwang im öffentlichen Raum
  • Förderung von Veranstaltungen, die Begegnung, Austausch und Gemeinschaft ermöglichen
  • Angebote zur Stressbewältigung und Stärkung der Resilienz
  • Niederschwellige Unterstützungsangebote von Jugendlichen für Jugendliche
  • „Hör zu“-Kampagne zur Stärkung jugendlicher Anliegen und Perspektiven
  • Gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr in die Umlandgemeinden
  • Bewusstseinsbildung zum Thema psychischen Gesundheit an Schulen
    • Mehr kostenlose Beratungsmöglichkeiten für Jugendliche
    • Bessere Info über bestehende Hilfsangebote
    • Erste-Hilfe-Workshops für psychische Gesundheit